Tagung: ICH ICH ICH. Erfahrungsarmut und Authentizitätsbegehren im Schreiben der Gegenwart
Von 18. bis 19. Juni 2026 findet an der Leuphana Universität Lüneburg diese von Christina Wessely und Simon Roloff organisierte Tagung statt. Sie widmet sich der gegenwärtig zu beobachtenden Konjunktur des “Ich” in literarischen und (geistes- bzw. kultur)wissenschaftlichen Texten. Diese Konjunktur speist sich aus vielfältigen und augenscheinlich miteinander verbundenen Dynamiken: Angesichts einer neuen „Krise der Wirklichkeit“ (Ludwik Fleck) im Zeitalter der Postfaktizität sowie der zunehmend als Alltagstechnologie genutzten großen Sprachmodelle (LLMs) fungieren „Ich-Texte“ als Garant für Authentizität. Parallel dazu äußern sich politische Forderungen nach Anerkennung häufig im Modus marginalisierter Subjektivität, während die sozialen Medien schon seit geraumer Zeit die Kommodifizierung von Affekt und Aufmerksamkeit vorantreiben. In diesem Spannungsfeld zwischen politischem Statement, ökonomischem Markenzeichen und epistemologischem Ankerpunkt avanciert das „Ich“ zum zentralen Legitimierungsfaktor in der Textkultur der Gegenwart.